September 10, 2013

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Das »ehemalige Nachrichtenmagazin« (Fefe) scheiterte dieser Tage kläglich an einer Meldung über den Gödelschen Gottesbeweis. Leider war anscheinend der einzige Schüler-DUDEN der Redaktion gerade nicht zur Hand und es konnte in der Eile nicht erwähnt werden, dass Gödel bevorzugt am ontologischen Gottesbeweis knabberte -- welcher seinerseits schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Stattdessen werden wir mit der wichtigen Information versorgt, dass die Mathematiker, die das Theorem zu rekonstruieren versuchen, dafür ein MacBook verwendet haben. Aber hallo! Das soll ja im Übrigen ein ganz zauberhaftes Gerät sein! Ich habe darüber stets nur Lob in den höchsten Tönen gehört! Ei, wie fein, nachgerade perfektst!

Perfectissimus! Der beste alle möglichen Gottesbeweise.


Die »Stiftung Gottestest« benötigte für die Formel Gödels wohl anderthalb Seiten. Das geht nun aber wirklich größer, mächtiger! Schließlich gilt immer noch: »Wir sind Gott!«. Wir präsentieren den Gottesbeweis daher nun in der Form, in der wir ihn beim abendlichen Spaziergang an einer riesigen Mauer in (Resten von) Flammenschrift gesehen haben.


September 9, 2013

Alternativlos

Alle haben sie schon gesichtet, die Wahlplakate der Regierung, die unverblümt aus Versehen die Wahrheit verkünden. Genosse Gärtner hat sie aus »›kommunistischer‹« Sicht bereits gewürdigt, weswegen an dieser Stelle die pathologisch affizierte Vernunft überflüssigerweise nachlegt.

Es ist ja kaum zu glauben, aber die Regierung spricht Klartext: »Du hast die Wahl.«* Diese griffige Formel könnte glatt so stehen bleiben. Mittlerweile ist uns der zentrale Begriff der »Alternativlosigkeit« lieb und vertraut geworden, und er wird hier in einer Sprache wiedergegeben, die auch jenen Kleinbürgern bekommt, die Fremdworte gar nicht gern lesen, geschweige denn verstehen.

Fast geschaft! Wahlfischfutter unterwegs (Erstwähler auf drei Uhr!).

So ganz ungeschoren kommen wir aber nicht davon. Schließlich gibt es ja »keine Regierung. Regierung ist ausverkauft« (Banque Allemande), weswegen die Macher dieser Wahlwerbung wohl gar nicht der Regierung angehören, sondern einer besonders kreativen Werbefirma. Und da diese daselbst angestellten Talentdenker natürlich zum Frühstück das hierzulande größte Drecksblatt konsumieren, um ihre ständig assoziations- und wortspielbereiten Gehirnchen in Schwung zu bringen, müssen sie die Sprache ihrer Leib- und Magenlektüre imitieren, wo es nur geht: So wird aus »Du hast die Wahl.« »Du bist die Wahl.«

Wir lassen uns das auf der Zunge zergehen: Nachdem konstatiert wurde, dass wir keine Wahl haben, werden wir mittels der Regenbogen- und Urinpresse abgeschautem Sprachersatz aufgefordert, etwas zu sein, was sprachlich und grammatikalisch keinen Sinn macht und auch sonst einfach grober Unfug ist. Die gespielte Intimität des »Du« kombiniert mit dem regressiven Geblubber, »Wahl« zu »sein«, kann letztlich nur bedeuten, dass »wir« anscheinend keine Wahl haben und es auch gar nicht mehr darauf ankommt, wie gaga uns das Gegenteil suggeriert wird.

Vor die Entscheidung gestellt, keine Wahl zu haben oder ein Einfaltspinsel zu sein, lässt es sich doch trefflich wählen.

* Im Orig. nicht durchgestrichen; dass dies gemeint ist, impliziert die dargestellte Verwendung der Rotstiftkorrektur. Beides geht nun mal nicht, das wusste schon Erich Fromm: Haben oder Sein!