May 15, 2013

Bla Vision

Sprachgeschichtlich leitet sich Nachricht von Nachrichtung her, einer Mitteilung, nach der man sich zu richten habe. Diese Bedeutung der Nachricht als Anweisung wird mit dem beginnenden Zeitalter der Aufklärung allmählich verdrängt. Allerdings folgt aus dieser Bedeutungsverschiebung nicht, dass ein Zwang überwunden wäre und nunmehr alle erleuchtet seien. Vielmehr begegnet uns heute der scheinbar überholte Imperativ der Nachrichtung nach "innen" gewendet als das naiv-bornierte Grundvertrauen, durch Nachrichten prägnant, aber ausreichend umfänglich informiert zu werden. Was die Nachrichten uns vom Tage schauen lassen, akzeptieren wir als das konzentriert Wichtige, das von kundigen Köpfen aufbereitet wurde.

Schlafen Sie gut!

Angesichts des absurden Potpourris an beliebig ausgewählten Belanglosigkeiten, spektakulären Katastrophen, simplifiziert-entstellten Sachverhalten und politisch bestenfalls naiven Erläuterungen mutet dieses Urvertrauen in die Informationsversorgung kindlich an. Ein behagliches, drolliges Bild: Wir hocken täglich aufs Neue vor unseren geliebten Apparaten und meinen allen Ernstes,  etwas über unsere Welt zu erfahren. Etwas, von dem wir doch unmöglich glauben dürfen, es ließe sich in zwanzig Sekunden auch nur erwähnen. Möglicherweise vermittelt uns das zugefütterte Bildmaterial ein Vollegefühl, das uns informationssatt wegnicken lässt.

Es wäre daher zu begrüßen und ein wahrhafter Akt der Aufklärung, wenn wir vor den Wetterprognosen - die immerhin noch einigermaßen Wahrscheinliches über die Welt berichten - ausdrücklich dazu angehalten würden: "Das war nun die Wahrheit, nach der sich zu richten befohlen wird! Und nun zum Wetter..." bzw.

"Und jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Abend." (Merkel)

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