Jeden 3. Mittwoch im Monat auf coloRadio Dresden

Chansons de la Belette Malade - Bis Dezember 2011 die monatliche Radioshow für Musik aus Schubladen.

Nächste Sendung: .... (?).

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Sonntag, 6. März 2011

StörenFrieD / Banque Allemande

Banque Allemande (Berlin)
Support: StörenFrieD (Dresden)
4.3.2011@AZ Conni Dresden

Abb.: Zu schade zum Wegschmeißen, dafür unverkäuflich.

StoerenFrieD: Mit 100 Meter Kabelsalat verlinkt StörenFrieD eine Schubkarre voll Spielzeugkeyboards, fantastischer Figuren, unidentifizierbarer Blinkobjekte und Leiterplatten auf einem Tisch inmitten des Saales. Als Lichtquelle dient das weiße Rauschen eines Minifernsehers, vor dem ein kleines Alien Dinge erzählt. Alwin Weber beginnt den Frieden erwartungsgemäß zu stören, indem er einen Eimer Krach in den Raum schüttet. Glücklicherweise fährt er keine verkniffene Noise-Attacke - StörenFrieD ist in etwa so furchterregend wie Merzbow mit 'nem Lachkrampf. Der Sturm legt sich, es blubbert, zischt, Samples tummeln sich in Schleifen, irgendwo fiept ein Theremin, es ist aber keins zu sehen.
Überhaupt ist es schwer zu erkennen, was bewusst gespielt wird und was die Schaltkreise automatisch assoziieren. Das Geplapper und Gedudel wird lose an wiederkehrende Leitmotive gelötet. Ein Eierschneider wird zur Ukulele umfunktioniert. Soviel kreativer Missbrauch von Geräten war selten, und so traumhaft leicht lässt es sich in diesen Klängen leben.

Abb.: Bend your circuit to this!

Banque Allemande eröffnen mit einem lässigen Instrumental. Konzentriert und besonnen bereiten sie damit das Publikum auf ihre neuen Stücke vor - etwa "Warmes Wasser" - und natürlich einige Tracks von ihrer letzten Scheibe "Eins, Zwei" - darunter "Flughafen See" und "Zur Stunde noch unklar". Diese Kompositionen werden knallhart abgeliefert.

Abb: Ihre "Bühnenshow besteht größtenteils aus Rumstehen, vielleicht mal in die Luft gucken".

Atemholen wäre gut, dafür bleibt allerdings vorerst keine Zeit. Mit präzisem Druck und einer beeindruckenden, ansteckenden Spielfreude lässt das Trio die Wände wackeln. Kurz bevor Atemstillstand bedrohlich wird, nehmen sich Banque Allemande alle Zeit der Welt, um "the Baumarkt nation" und ff. über absolut angemessene zehn Minuten reifen zu lassen. Unmerklich wechseln sie in offiziell psychedelische Gefilde - ohne in die gängige Stoner-Rocke-Ödnis zu verfallen - ihre garage-punkigen Wurzeln können sich frei entfalten, luftig mäandernde Strukturen schweben (aber dermaßen!!) überall umher, dröhnendes Klarsein, das Gehör vermeint erste Obertöne wahrzunehmen... und damit um Worte ringende diensthabende Redaktionen sich nicht in sprachlichen Unsinn verheddern, haben die Garagenbanker ein probates Heilmittel im Angebot: Die "Die Akademie kann dir jetzt auch nicht weiterhelfen" legt als scheppernde Krachorgie das Oberstübchen in Schutt und Asche. Transaktion erfolgreich, Konto leer, fette Bonuserfahrung eingestrichen: Da (!) "gehts lank Peter Pank schönen Dank".

Abb.: Stets auf der Sonnenseite.

Drei bis vier Dutzend Gäste wollten und konnten ein einzigartiges Konzert erleben - dem AZ Conni gebührt ewiger Ruhm und Dank dafür, die einzige location in diesem verschlafenen Nest zu sein, wo die Zukunft der Musik einen Ort findet, auch und obwohl ihr kultureller Wert noch nicht amtlich bestätigt ist. Doch halt: Wer wird denn ob dieser harschen Worte traurig sein, liebe Dresdner, bald kommt ja der nächste, als "BRN" betitelte Oktoberfest-Klon wieder zu Euch!

Und wie's weiter geht: Banque Allemande am 26. März in der Knochenbox, Störenfried ebenso unermüdlich.

Fazit

StoerenFried: + verzwickte Soundcollagen / - Wer soll das aufräumen?
Banque Allemande: + "Like a hurrican" / - Kicker-Sieg wahrscheinlich dopingbedingt (!!!)