A Vision Shall be the Epitaph
Dan Melchior und Das Menace "Visionary Pang
s" (S-S) kombiniert die Ideenfülle von Christmas for the Crows, die krachige Härte von Obscured by the Fuzz und die Spielfreude von Thank You Very Much - ein absoluter Höhepunkt 2010. Scott Sorianos Label (S-S-Records, um's kurz zu machen: dies ist das Akronym des eben genannten Labelchefs, es hat mit den hierzulande einigermaßen populären Mordbanden nichts zu tun) ist derzeit unschlagbar. Das neue Album bringt vier knackige Songs und zwei längere Exkursionen in surreale Welten, die sich seltsam nach einem Sonntagmorgenkater anfühlen, während es draußen schon wieder dunkel wird. Und wir reden hier nicht das Schmalspurgeplapper von wegen "Was hat der wohl getrunken respektive geraucht?!", als ob nicht jeder wüsste, dass auch mit den hippsten Substanzen nichts rauskommt, was nicht vorher schon drin war. (Schade, Yuppies! Schade auch, Hipppies!) Dan Melchior nennt nämlich zwei Dinge sein eigen, die den Unterschied zwischen einer Pauschalreise und einer Mondlandung ausmachen: Er beherrscht das DIY Handwerk, um souverän durch alle Stile, von Psychedelia bis Blues zu surfen (Intelligent Design Pts. 1 als auch 2), und er verfügt über einen so unerschöpflichen wie bildhaften poetischen Einfallsreichtum (vgl. "I Got Lost"). Diese Mischung ist unglaublich und fesselnd. Im Unterschied zu Neil Young's "It's all one Song!", ließe sich bei angesichts Melchiors Opus behaupten "It's all one Album, and it's the best you'll get!".
Das nächste Album von Dan - Catbirds and Cardinals - liegt schon bereit und darf gepresst werden. Und wenn er monatlich eine LP oder Single veröffentlichen will, werden wir die letzten sein, die ihn dafür schelten. Wir werden ihn vielmehr dafür lobpreisen! Dan Melchior ist zweifellos der produktivste, vielseitigste, umtriebigste und klügste Musiker, der augenblicklich in die Fußstapfen von Syd Barrett tritt. Zwar kommt dieser Vergleich oft und hängt uns genau so zum Halse raus wie Loriot die Nudel, aber es ist nun einmal fakt: Wer sich Madcpap Laughs und Barrett angehört hat und noch nicht in's Bett gehen will, wäre ja schön blöde, wenn er zu Opel griffe, wenn es doch Dan Melchior's zahllose Alben, EPs und Singles gibt, mit denen es sich trefflich bis zum Morgengrauen Plattenhören lässt. Kater vorprogrammiert.
Help section: This translates to "I like it a lot."
Sun City Girls "Funeral Mariachi" (Abduction
). Etwa drei Jahre nach Charles Gochers Tod platzte im Sommer diesen Jahres die Bombe - es gibt ein letztes Album der Sun City Girls. Große Angst hatten wir davor, dass daraus so etwas wie Captain Beefhearts Unconditionally Guaranteed werden könnte, da der - Pardon! - langweilige Mr. Lonely Soundtrack von uns boykottiert wurde. Weit gefehlt! Produktionstechnisch dürfte dies das am meisten ausgereifte Album des Trios sein. Und das steht selbst diesen Lo-Fi-Chaoten ausnahmsweise recht gut, da sie mit Funeral Mariachi einen melancholischen, verspielten, schillernden und schlichtweg genialen Tribut an Ennio Morricone abliefern. Easy Listening, Free Jazz und Gamelan haben sich bei den Sun City Girls schon oft zusammen gefunden - aber diese Platte klingt denn doch noch einmal völlig anders, als alle bisherigen Versuche. Chapeau, was für ein Epitaph!
P.S.: Zugegeben, die Platte ist nicht ganz billig, dafür eignet sich das robuste Gatefold-Cover hervorragend dazu, jemanden zu erschlagen und sieht dabei wunderschön aus.
Help section: This translates to "This one's quite good."

reakshow!

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