Jeden 3. Mittwoch im Monat auf coloRadio Dresden

Chansons de la Belette Malade - Bis Dezember 2011 die monatliche Radioshow für Musik aus Schubladen.

Nächste Sendung: .... (?).

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Dienstag, 28. September 2010

Positive Destruction / Gifts From Enola

Positive Destruction @ Treibhaus' Freispiel (@Groove Station)
22. September


Die Freispiel-Konzertreihe entfernt sich räumlich immer weiter von der Galerie Treibhaus: Dieses war das letzte Konzert in der Groove Station, weitere finden vorerst im Projekttheater statt. Zu diesem (auch) traurigen Anlass haben allerdings Positive Destruction (Francisco "Pacho" Davila - Saxofon, Trompete; Max Loeb - Elektrische Gitarre; Matthias Macht - Schlagzeug) letzte Woche mit großer Spielfreude klar gestellt, welch schutzbedürftiges Gut die Institution Freispiel ist. Das Trio, dem die Ideologie des Positiven Denkens erfreulich weit am Arsch vorbei geht, hatte wahrhaft Besseres zu tun, als hirnlosen Optimismus zu verbreiten. Statt dessen durften die knapp zwei Dutzend ZuhörerInnen erleben, wie die drei Musikanten aus den verschiedensten Ideen mit verstörender Geschwindigkeit und Stringenz neue Klanggebilde errichteten und wieder einrissen. Von Stücken, die an "klassischen" Free Jazz anschlossen, ging es zu Ambient-Improvisationen, in denen Davila's manipulierte und zweckentfremdete Trompete eine Stimmung verbreitete, als wäre Richard D. James aus dem Bett gefallen und hätte noch schnell seine gerade geträumte Idee mit herumliegenden Haushaltsgegenständen in ein musikalisches Skript umgesetzt. Unwillkürlich meint man, Positive Destruction in ihrem Anliegen zu verstehen: In jedem dieser Stücke vereinen sich Ideen zu einer neuen Sicht auf die Welt. Der einzige Weg, dieses zu schaffen, ist, zu zeigen, dass die Welt grenzenlos ist. Nicht beliebig, aber grenzenlos.


Gifts From Enola @ AZ Conni
17. September 2010


Eine positive Überraschung waren unbedingt auch Gifts From Enola (USA). Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass sich ein Konzert der Schublade "Postrock" als letztlich immer gleicher Aufguss der Formel ergibt, die Godspeed You Black Emperor! vor ungefähr einer Dekade entdeckt und damals auch spannend umgesetzt haben. (Wer schon mal eine Platte von Mono - die ihren Namen mit einigem Recht tragen - durchgehört hat, mag vielleicht verstehen, was die Red. hiermit meint.) Davon jedenfalls hben sich Gifts From Enola erfrischend ab. Sie verfallen nicht der ermüdenden Melancholie der unzähligen GYBE!-Klone, sondern rocken aggressiver und zugleich psychedelischer - wohl auch wegen einigen gelungenen Anleihen vom Stoner Rock - das Haus. Das turnt an, das reißt mit, das haut rein. So soll das sein. Anm.: Irgendwie hält sich hartnäckig der Gedanke: Dieser viel versprechenden Band könnte etwas mehr Gesang zum Vorteil gereichen.