Jeden 3. Mittwoch im Monat auf coloRadio Dresden

Chansons de la Belette Malade - Bis Dezember 2011 die monatliche Radioshow für Musik aus Schubladen.

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Dienstag, 21. September 2010

(Nichts) Neues aus der Intelligenzforschung

Das Label (In The Red) kündigt die neue LP von Intelligence als "full length" an, auf der neben Lars Finberg (A Frames) auch Chris Woodhouse (Mayyors) musiziert (Hörbeispiele). Das klingt alles ganz fantastisch nach neuen Ideen, die dort anknüpfen, wo "Fake Surfers" letztes Jahr aufhörte. Der Hund liegt allerdings schon darin begraben, dass hier - es ist irgendwie in Mode gekommen - ein Produkt als Langspielplatte beworben wird, das einst, recht passend, als EP bezeichnet wurde. Und tatsächlich klingt die LP leider so, als wäre der Band einfach nicht viel mehr eingefallen, um die Platte anständig zu füllen.

Nachdem die erste Enttäuschung verflogen ist, können wir uns an eine bemüht positive und konstruktive Kritik wagen, mit der wir uns darüber trösten, abermals ein Album im Sack gekauft zu haben. Nun denn: die Songs sind natürlich alle nicht schlecht, klingen aber, als hätte man sie auf vorherigen Platten schon mal gehört (in der Tat: s.u.). Was auf "Fake Surfers" wie die Zukunft des punkigen Garagenrocks mit einem IQ von 180 klang, tritt hier hörbar auf der Stelle. Da wird ein bisschen die Erfolgsformel zu Tode gerockt. Andererseits, wer sich sich nicht davon abhalten lässt, das Ganze ein paar Mal durchzuhören, dem fällt irgendwann auf, dass die zweite Seite durchaus gelungener und frischer als die erste klingt und zudem mit dem wirklich großartigen und Titel gebenden "Males" endet, das ein geniales akustisches Psychogramm der geschätzten Männlichkeit zum Besten gibt. Auch das ist wohl symptomatisch - hätte die Scheibe das Niveau des zuletzt noch hingerotzen Stücks von Anfang an erklommen und gehalten, wäre dies wohl ein Kandidat für das Album des Monats. So werden wir denn dieses Scheibchen noch das eine oder andere Mal auflegen - partytauglich ist es durchaus, wenn Ihr jemanden findet, der nach zwölf Minuten wieder den Weg zum Plattenteller auf sich nimmt - und dann auf den nächsten Geniestreich warten.
Zum Weiterlesen: Ein ausführlicher Review plus ein Interview auf The Finest Kiss. Dort lernen wir, dass viele der Songs bereits vor Jahren geschrieben und gespielt, hier allerdings erstmalig dem Lo-Fi-Bereich enthoben wurden.